Spanien erhebt sich für Ceuta: Hunderttausende demonstrieren gegen Sánchez

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Hunderttausende Spanier sind am Mittwochabend im ganzen Land für Ceuta auf die Straße gegangen. In mehr als 260 Städten und Gemeinden waren Kundgebungen angekündigt, allein in Madrid kamen je nach behördlicher Schätzung zwischen 50.000 und 150.000 Menschen zusammen. Aus der Solidaritätsaktion für die von der Migrationskrise schwer getroffene spanische Exklave wurde vielerorts eine offene Abrechnung mit der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez.

Spanische Fahnen, überfüllte Plätze und immer wieder dieselben Rufe: „Ceuta no se vende, Ceuta se defiende“ – Ceuta wird nicht verkauft, Ceuta wird verteidigt. In Madrid blieb es nicht bei Solidaritätsbekundungen. Zehntausende Demonstranten riefen „Sánchez dimisión“ und „Sánchez a prisión“ – Sánchez Rücktritt, Sánchez ins Gefängnis. Auch „Ceuta, aguanta, España se levanta“ war zu hören: „Ceuta, halte durch, Spanien erhebt sich.“

Auf der Plaza de Cibeles und den umliegenden Straßen drängten sich nach Angaben der Madrider Stadtverwaltung rund 150.000 Menschen. Die der sozialistischen Zentralregierung unterstellte Regierungsdelegation setzte die Zahl mit 50.000 erwartungsgemäß deutlich niedriger an. Unter den Teilnehmern befanden sich auch PP-Chef Alberto Núñez Feijóo, Vox-Chef Santiago Abascal, Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso und Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida.

Von Madrid bis Málaga

Madrid war allerdings nur das größte Zentrum der Proteste. In Valencia versammelten sich mehr als 50.000 Menschen, in Málaga rund 50.000 und in Sevilla etwa 40.000. Die Plaza del Pilar in Zaragoza füllten rund 25.000 Demonstranten. In Murcia kamen mehr als 20.000 Menschen zusammen, in Valladolid rund 20.000. Auch in Ceuta selbst gingen ersten Schätzungen zufolge mehr als 20.000 Einwohner auf die Straße.

Schon diese Städte ergeben bei der niedrigeren Madrider Schätzung weit mehr als eine Viertelmillion Teilnehmer. Hinzu kamen Demonstrationen in Barcelona, Bilbao, A Coruña, Alicante, Las Palmas, Santander, Cartagena und zahlreichen weiteren Städten und Gemeinden. Europa Press sprach am späten Abend entsprechend von „Hunderttausenden“ Menschen auf Spaniens Straßen.

Auch die Rücktrittsforderungen gegen Sánchez waren nicht nur in Madrid zu hören. In Valencia wurden „Gobierno dimisión“ und „España sí, Marruecos no“ gerufen, in Valladolid forderten Demonstranten ebenfalls den Rücktritt der Regierung. In Bilbao waren unter anderem „Pedro dimite, España no te quiere“ – Pedro, tritt zurück, Spanien will dich nicht – und „Esto no es una crisis, es una invasión“ zu hören.

Ceuta bringt Sánchez weiter unter Druck

Auslöser der landesweiten Mobilisierung ist die Lage in der spanischen Exklave an der nordafrikanischen Küste. Am 30. und 31. Juli hatten mehr als 70.000 Migranten aus Marokko Ceuta gestürmt. Die kleine Stadt wurde innerhalb kürzester Zeit mit einem Massenzustrom konfrontiert, der selbst die Krise des Jahres 2021 weit in den Schatten stellte. Noch Ende August befanden sich nach Angaben der spanischen Regierung rund 5.000 der Invasoren in Ceuta.

Die Federación Española de Municipios y Provincias (FEMP) fordert von der Regierung zusätzliche finanzielle Mittel für Ceuta, eine wirksame Sicherung der Grenze und die Rückführung der eingereisten Migranten. Die Protestinitiative war ursprünglich in den sozialen Netzwerken entstanden und wurde anschließend von zahlreichen Kommunen und der FEMP aufgegriffen. Der 2. September, der „Día de Ceuta“, wurde damit zum landesweiten Aktionstag. Bereits im Vorfeld hatten mehr als 260 Gemeinden – darunter auch Dutzende von der PSOE regierte Kommunen – ihre Teilnahme angekündigt.

Für Pedro Sánchez wächst damit der politische Druck weiter. Bereits im Mai hatten Bürgervereinigungen in Madrid zu einer Großdemonstration für seinen Rücktritt aufgerufen. Gleichzeitig belasten Korruptionsermittlungen gegen Personen aus seinem politischen und familiären Umfeld die sozialistische Regierung. Nun kommt die offene Wut über den Umgang mit der Ceuta-Krise hinzu.

Am heutigen Donnerstag muss Sánchez im spanischen Parlament seine Regierungspolitik in der Ceuta-Krise erklären. Die Sitzung war bereits vor den Demonstrationen angesetzt worden. Am Vorabend gingen jedoch Hunderttausende auf die Straße, und in zahlreichen Städten bezogen sich die Proteste längst nicht mehr nur auf Ceuta. Von Madrid über Valencia bis Valladolid waren Rücktrittsforderungen gegen den sozialistischen Regierungschef zu hören. Für Sánchez wird die Luft immer dünner.

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